Presse

mz-web.de: Egal ob Punks, Linke, Kirche oder CDU

VON UNDINE FREYBERG, 11.04.12, 19:51h, aktualisiert 11.04.12, 20:23h
MERSEBURG/MZ. „Mücheln ist gerade erst aus den Schlagzeilen raus, und die Stele am Merseburger Neumarkt ist mittlerweile schon achtmal geschändet worden“, sagt Sebastian Striegel, Landtagsabgeordneter der Grünen. Neonazis seien nicht nur rund um den 17. Juni in der Region aktiv. „Neonazis gibt es auch sonst in Merseburg.“ Aber auch für dieses Jahr sei im Juni wieder eine Demo angekündigt. Deshalb sei es wichtig, dass sich die demokratischen Kräfte der Region gegen das braune Gedankengut verbünden. Am 10. Mai soll deshalb das „Merseburger Bündnis gegen Rechts“ gegründet werden.

„Im Juni vergangenen Jahres konnten wir in Merseburg die schöne Erfahrung machen, dass rund 400 Menschen gegen Rechts auf die Straße gegangen sind“, so Striegel. Da sei der Punk genauso dabei gewesen wie der CDU-Abgeordnete, Vertreter der Kirche ebenso wie Mitglieder der Linken. Diese positive Energie habe man nutzen wollen. „Damit wir nicht immer wieder von vorn anfangen müssen“, fügte Michael Finger, Fraktionschef der Linken im Merseburger Stadtrat, hinzu. Es hatten sich auch schon früher Menschen in der Region gegen Rechts zusammengetan. „Aber diese früheren Aktionen waren sehr sporadisch und nur temporär.“

Im Augenblick befindet sich das Bündnis in Gründung und sucht Unterstützer, die sich unter anderem in kursierende Listen aber auch online eintragen können. Mehr als die Hälfte der Merseburger Stadträte haben ihre Unterstützung bereits per Unterschrift bekundet. OB Jens Bühligen (CDU) gehört dazu. Und auch die Gruppe Alternatives Merseburg, die sich nach dem Angriff der Rechten vom 25. April 2010 gegründet hatte, ist dabei. „Wir wollen ein Bürgerbündnis sein und verstehen uns nicht als Konkurrenz zu bereits bestehenden Institutionen, wie dem Runden Tisch für Demokratie und Friedfertigkeit“, betont Striegel.

Die Gründungsveranstaltung unter dem Motto „Zwischen Ignorieren und Verbieten. Merseburg, nun sag doch mal!“ wird am 10. Mai im Kunsthaus Tiefer Keller stattfinden. Als Gast wird Albrecht Schröter, der OB der Stadt Jena, erwartet, der von den Erfahrungen des Bündnisses gegen Rechts in seiner Stadt berichten wird. An der anschließenden Diskussionsrunde nehmen unter anderem Merseburgs Bürgermeisterin Barbara Kaaden (parteilos) und ein Vertreter der Polizei teil.

10. Mai, 19 Uhr, Gründungsveranstaltung im Kunsthaus Tiefer Keller Merseburg.

Quelle: mz-online.de, 11.04.2012

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MDR-Sachsen-Anhalt: Neues Bündnis gegen Rechts in Merseburg

In Merseburg wird ein Bündnis gegen Rechts gegründet. Zu den Inititiatoren zählen Politiker, Kirchenvertreter und Jugendgruppen. Sie wenden sich mit einem gemeinsamen Aufruf an alle Bürger. Mit dem Bündnis soll das Engagement gegen Rechts in der Stadt eine dauerhafte Basis bekommen. Den Ausschlag für die Gründung hatten die Bürgerproteste gegen einen Neonazi-Aufmarsch im Sommer vergangenen Jahres gegeben.
Quelle: mdr.de, 10.04.2012

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MDR-Regionalstudio Halle: Bürgeriniatitive gründet sich in Merseburg

In Merseburg soll ein Bündnis gegen Rechts gegründet werden. Den Ausschlag haben die Proteste im Sommer vergangenen Jahres gegeben, als in Merseburg gegen die Aufmärsche von Neonazis demonstriert wurde. Für Demokratie und ein solidarisches Miteinander wollen sich die Initiatoren eines Bündnisses gegen Rechts engagieren, die sich heute mit einem Aufruf an die Merseburger wenden wollen. Dabei sind Politiker verschiedener Parteien, eine Jugendinitiative, die Stadtverwaltung, Kirchen und Bürger von Merseburg. Mit dem Bündnis soll das Engagement gegen Rechts eine dauerhafte Basis bekommen. Die offizielle Gründung ist für Anfang Mai geplant.
Quelle: mdr.de, 10.04.2012

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Schillernd bunt statt braun

AKTIONSBÜNDNIS In Merseburg setzt eine breite Allianz ein Zeichen für Demokratie. Der Protest bleibt friedlich. Aufmarsch von Neonazis endet vorzeitig in der Hölle.

MERSEBURG/MZ – Der Protest soll friedlich sein, und er bleibt es. „Die Merseburger haben ihre Angst überwunden und sind für die Demokratie auf die Straße gegangen“, freut sich Pfarrer Curt Stauss vom Bündnis gegen Rechts. Es ist eine breite Allianz, die den Neonazis bei dem von der NPD angemeldeten Aufmarsch am Sonnabend die Stirn bietet: Vertreter aus Kirchen, Verbänden und Vereinen, Politiker von der lokalen bis auf die Bundesebene, Akademiker, Einwohner, Jung und Alt gut gemischt. Von 250 Demonstranten spricht die Polizei, das Bündnis von 400, die in der Innenstadt unter dem Motto „(D)eine Stunde für Demokratie“ ein Zeichen für die Menschenwürde setzen. „Vor einem Jahr haben wir eine Bombe und mit ihr eine der Spuren des Zweiten Weltkriegs aus der Stadt geräumt. Jetzt wollen wir den ewig Gestrigen zeigen, dass sie in Merseburg und im Saalekreis nicht erwünscht sind“, meint Landrat Frank Bannert (CDU).

Mit Transparenten, Fahnen und Plakaten zieht das Bündnis durch die Innenstadt bis in die Poststraße zur Ecke König-Heinrich-Straße. In Sicht- und Hörweite zu etwa 200 Neonazis, die sich vor dem Bahnhof versammeln, machen die Demonstranten viel Radau. In der Masse steht auch der 77-jährige Hans-Jürgen Hörig. Als Kind hat er den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Wie ein Trauma verfolgen ihn noch heute die Erinnerungen an die Bombenangriffe der Alliierten auf Merseburg im Dezember 1944. „Vor dem Krieg ist es uns nicht gelungen, die Herrschaft der Nazis zu verhindern. Heute müssen wir sie stoppen“, sagt der Senior. Dass die Rechten für ihren Marsch das Gedenken an die Opfer des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 missbrauchen, ist für den Merseburger Stadtrats-Vorsitzenden Uwe Reckmann ein Skandal: „Die Menschen sind acht Jahre nach Kriegsende nicht auf die Straße gegangen, weil sie die Nazis zurückwollten.“

Die Rechten spüren den Gegenwind, der ihnen stark ins Gesicht bläst. Im vergangenen Jahr hatte der Protest gegen den Neonazi-Aufmarsch mit einem Kehraus eher symbolischen Charakter. Jetzt ist es anders. „Diese Stadt hat Nazis satt“, skandieren die Demonstranten. An der katholischen Kirche Sankt Norbert in der Bahnhofstraße hängt unübersehbar ein riesiges Banner mit der Aufschrift „Nazis? Nein Danke!“

Kurz nach 13 Uhr marschieren die Rechten, flankiert von Einsatzkräften der Polizei, auf einer kleinen Runde zunächst bis zum Finanzamt. Die Polizei hat mehrere hundert Beamte zusammengezogen, um Gegendemonstranten und Neonazis voneinander zu trennen. Zum Teil werden Straßen abgeriegelt. Über der Stadt kreisen Polizeihubschrauber. An der Hölle ist für die Rechten dennoch Endstation. Im Anschluss an die öffentliche Stadtratssitzung vor dem Rathaus versperren Demonstranten mit einer Sitzblockade die Straße, unter ihnen Grünen-Landtagsabgeordneter Sebastian Striegel. Erst will die Polizei die Blockade räumen, doch dann müssen die Neonazis unter tosendem Applaus von Demonstranten und Passanten umkehren. Es bleibt die einzige knifflige Situation. Auch Polizeisprecher Jürgen Müller zieht ein zufriedendes Resümee. Ausschreitungen habe es nicht gegeben. „Die Demokratie hat gesiegt“, atmet Bürgermeisterin Barbara Kaaden auf. Zuvor hatte Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) öffentlich noch einmal bekräftigt, das Gesetz zur Versammlungsfreiheit ändern lassen zu wollen. Dafür plant er einen Vorstoß im Landtag (die MZ berichtete).

Das Aktionsbündnis soll keine Eintagsfliege bleiben. „Die Rechten nur zu verachten, ist keine Lösung. Wir brauchen die inhaltliche Auseinandersetzung“, erklärt Pfarrer Curt Stauss.
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, Ausgabe MQ, 20.06.2011, S. 9

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Kommentar Seite 10
DIRK SKRZYPCZAK
findet es gut, dass sich die Merseburger  friedlich gegen Neonazis zur Wehr gesetzt haben.

Die Stadt kneift nicht

Es waren bemerkenswerte Szenen, die sich am Sonnabend in Merseburg abspielten. Der Aufruf des Bündnisses für Demokratie zeigte Wirkung. Da standen Jugendliche aus der alternativen Szene mit gestandenen Politikern, Gewerkschaftern, Vereins- und Kirchenvertretern, Akademikern sowie Einwohnern zusammen, um friedlich aber dennoch lautstark gegen Neonazis zu demonstrieren.

Dieser Schulterschluss bedeutet für Merseburger Verhältnisse eine neue Qualität, und es bleibt die Hoffnung, dass die Allianz auch für die Zukunft besteht. Die Stadt hat sich den Rechten nicht kampflos ergeben. Sie hat den ewig Gestrigen die Stirn geboten und wichtige Siege errungen. So war das Bündnis den Rechten zahlenmäßig überlegen, was eine wichtige Feststellung ist. Außerdem wurden die Neonazis gezwungen, ihre Route zu ändern und zu verkürzen. Verhindern ließ sich der Aufmarsch zwar nicht, aber wirksam behindern. Das ist ein Erfolg für die Demokratie.

Die Rechten wollen wiederkommen. Seit Sonnabend wissen wir, dass Merseburg dafür bereit ist.
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, Ausgabe MQ, 20.06.2011, S. 10

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Friedlicher Protest gegen Neonazi-Aufmarsch

MERSEBURG/MZ/DSK. Mit einem friedlichen Protest haben nach Polizeiangaben 250 Menschen in Merseburg am Sonnabend gegen einen Neonazi-Aufmarsch demonstriert. Sie zogen mit Transparenten, Fahnen und Plakaten durch die Innenstadt. Zu der Aktion hatte ein breites Bündnis gegen Rechts aufgerufen. „Ich bin stolz, dass die Merseburger und ihre Gäste heute ein Zeichen gegen Intoleranz setzen. Die Bürger haben ihre Angst überwunden und sind für die Demokratie auf die Straße gegangen“, sagte der evangelische Pfarrer Curt Stauss. An dem Protest beteiligten sich Vertreter aller Parteien, Land- und Bundestagsabgeordnete, Vereine und Verbände. Unter anderem trafen sie sich vor dem Rathaus zu einer öffentlichen Stadtratssitzung. Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) bekräftigte erneut, einen Vorstoß beim Land unternehmen zu wollen, damit das Gesetz zur Versammlungsfreiheit geändert werden kann. „Bei Veranstaltungen wie unserem Schlossfest haben Neonazis mit ihren Aufmärschen nichts zu suchen. Ich will den Landtag zwingen, dass er sich mit dem Thema befassen muss.“ Dass der Aufruf gegen Rechts eine breite Zustimmung fand, wird in der Stadt als großer Erfolg für die Demokratie gefeiert.

Zu der rechten Demonstration waren laut Polizei etwa 200 Neonazis angereist. Sie marschierten durch die Stadt, mussten aber in an der „Hölle“ ihre Route ändern und wieder zurück zum Bahnhof laufen, weil Gegendemonstranten, unter ihnen der grüne Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel, den Neonazis mit einer Sitzblockade den Weg versperrten. Die Polizei kündigte zwar an, den Weg freiräumen zu wollen, sollten die Demonstranten nicht freiwillig abrücken, griff letztlich aber doch nicht ein. „In der Polizeidirektion Halle als Versammlungsbehörde wurde aufgrund der Lage in der Stadt entschieden, dass die rechten Demonstranten umkehren müssen, damit eine Eskalation vermieden wird“, sagte Polizeisprecher Jürgen Müller der MZ. Die Polizei hatte mehrere hundert Beamte im Einsatz. Außerdem kreisten Polizeihubschrauber über der Stadt. Kurz nach 15 Uhr war der Aufmarsch der Rechten beendet. Nach Aussagen von Müller hatte die Polizei die Situation unter Kontrolle. Festnahmen habe es nicht gegeben.
Quelle: mz-web.de

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Merseburg demonstriert gegen Neonazi-Aufmarsch

In Merseburg haben am Sonnabend rund 250 Menschen gegen einen Aufmarsch von Neonazis demonstriert. Neben einer Kundgebung, einer öffentlichen Stadtratssitzung und Konzerten wurde im Bahnhof eine Ausstellung zum Rechtsextremismus im Fußball gezeigt.

Zu der Aktion unter dem Motto „(D)eine Stunde für Demokratie!“ hatte ein breites Bürgerbündnis aufgerufen. Dessen Sprecher, Merseburgs Stadtpfarrer Curt Stauss, sprach bei MDR 1 RADIO-SACHSEN-ANHALT von einem friedlichen Nachmittag. Stauss äußerte sich beeindruckt vom Zuspruch der Merseburger. Unter den Demonstranten seien genauso ältere, wie jüngere Bürger gewesen.

Hintergrund des Protests war ein angemeldeter Aufmarsch von rund 200 Neonazis in der Domstadt. Diese hatten den Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953 zum Anlass ihrer Demonstration gewählt. Das Anti-Rechts-Bündnis verurteilte dies als Missbrauch der Erinnerung an den Volksaufstand vor 58 Jahren. Merseburgs Stadtpfarrer Stauss ist seit 1995 Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland für Seelsorge und Beratung von Opfern der SED-Kirchenpolitik.
Quelle: mdr.de

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Merseburger blocken Nazi-Demo

Aufmarsch der Rechtsextremisten in der Domstadt konnte nur eingekürzt stattfinden. Mehrere hundert Merseburger haben am Samstagnachmittag friedlich gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten in der Domstadt protestiert. Mit vielfältigen Aktionen wollte man zeigen, dass die Neonazis in Merseburg nicht erwünscht sind. In den Protestmarsch reihten sich unter anderem die Bundestagsabgeordnete Petra Sitte (Linke), die Landtagsabgeordneten Sebastian Striegel (Grüne) und Swen Knöchel (Linke), Landrat Frank Bannert (CDU) sowie die halleschen Stadträtinnen Ute Haupt (Linke) und Katharina Hintz (SPD) ein. In einer öffentlichen Stadtratssitzung zeigten auch die Merseburger Stadträte Flagge gegen Rechts. Uwe Reckmann, Vorsitzender des Stadtrates: „Ich bin mit dem Verlauf der Gegendemonstration sehr glücklich und auch, dass der Stadtrat einen Beitrag zur Behinderung der Demonstration leisten konnte.“

Die gut 150 bis 200 Neonazis, unter ihnen Szenegrößen wie Enrico Marx, Lutz Battke und Axel Reit, wurden durch die Gegenproteste in die Schranken gewiesen. Mit einer Sitzblockade schafften sie es, den Demonstrationszug nach gut 300 Metern in der “Hölle” zu stoppen. Zunächst wollte die Polizei die Blockaden räumen, entschied sich später jedoch, die Neonazis zum Bahnhof umkehren zu lassen.

Die Rechtsextremisten wollten mit ihrem Aufmarsch den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 instrumentalisieren und rufen ihrerseits zu einem neuen Volksaufstand auf. “Wollen wir den Kampf oder wählen wir die Demokraten?”, fragte einer der Redner der Rechtsextremisten. Zu hören waren auch Sprüche wie “Nationalsozialismus erkämpft man nicht mit dem Stimmzettel“.
Das Merseburger Bündnis gegen Rechts hatte zu den Gegendemonstration gegen den vom NPD-Kreistagsabgeordneten Rolf Dietrich angemeldeten Aufmarsch aufgerufen. Dort wertet man den Tag als Erfolg. “Aufgrund der vielfältigen Aktionen des Bündnisses im Stadtgebiet, konnten die Neonazis ihre ursprünglich geplante Demonstrationsroute nicht verfolgen”, so Sprecherin Christine Müller. Unerfreulich sei jedoch gewesen, dass die Nazis in unmittelbarer Nähe zum Schlossfest demonstrieren durften.
Quelle: halleforum.de

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DEMO Aktionsbündnis gegen Rechts

MERSEBURG/MZ – In Merseburg ruft ein breites Aktionsbündnis aus Vertretern von Initiativen, Verbänden und Gewerkschaften, demokratischen Parteien, Kirchen und der Stadt- und Kreisverwaltung dazu auf, den für Sonnabend, 18. Juni, geplanten Neonazi-Aufmarsch zu verhindern. Alle Einwohner und Gäste des Schlossfestes sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Treffpunkt für eine Gegendemonstration ist laut einer Pressenotiz Rosental/Ecke Unteraltenburg um 11 Uhr. Der Demonstrationszug soll zur Kundgebung „Nazis Wegbassen“ und zu einer geplanten öffentlichen Stadtratssitzung ziehen. Ziel der friedlichen und gewaltfreien Aktionen ist es, den Neonazis zu zeigen, dass sie weder zum Schlossfest noch sonst in der Stadt willkommen sind.
Quelle: Mitteldeutsche zeitung, 15.06.2011

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Der bunte Widerstand formiert sich

PROTEST Ein Verbot der geplanten Nazi-Demo am 18. Juni ist nicht möglich. Nun werden Gegenaktionen organisiert.
MERSEBURG/MZ – Im ersten Moment wirkte Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) frustriert, als er dem Stadtrat erklären musste, dass der geplante und angemeldete Aufmarsch von etwa 200 Neonazis am 18. Juni am Rande des Merseburger Schlossfests per Gesetz nicht verhindert werden könne. Auch wenn er ankündigte: „Ich habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, um zukünftige Verbotsmöglichkeiten zu ermitteln.“ Eine Ausdehnung des Schlossfestes auf die ganze Stadt, um die Demonstration zu verbannen, sei finanziell nicht machbar.

„Über 100 Leute haben den
Aufruf schon unterschrieben.“
Sebastian Striegel Landtagsabgeordneter

Was machbar ist, darüber waren sich alle im Stadtrat einig: ein massiver friedlicher Protest, der den unbelehrbaren Störenfrieden so richtig die Laune verderben soll. „Wir müssen deutlich machen, dass Merseburg bunt ist“, forderte Steffen Eichner von der SPD stellvertretend für alle Parteien. Und so unterschrieben fast alle Stadträte einen Aufruf zum friedfertigen demokratischen Widerstand gegen den Aufmarsch, der auch an die Merseburger Bürger und die Gäste des Schlossfestes gerichtet ist.

„Über 100 Leute und Institutionen haben den Aufruf mittlerweile schon unterschrieben“, freut sich Sebastian Striegel, Landtagsabgeordneter der Grünen. Striegel arbeitet zudem beim Aktionsbündnis „Deine Stunde für Demokratie“ mit, einem gemeinsamen Runden Tisch von Vertretern unterschiedlicher Gesellschaftsbereiche, der sich nun mit der Organisation von Gegenaktionen beschäftigt. „Wir werden bis Ende der Woche einen Demonstrationszug bei der Polizei anmelden. Wir haben als Bündnis auch ein Recht auf Versammlungsfreiheit und werden die Neonazis auf ihrer Route behindern – mit friedlichen Mitteln“, betont Striegel. Außerdem sei für den 18. Juni eine öffentliche Stadtratssitzung geplant.
Wann und wo der Protestmarsch gegen den Neonazi-Aufmarsch durchgeführt wird, soll spontan entschieden werden. „Wir wissen nicht, wann die Rechten es machen, die ändern das vielleicht auch kurzfristig, um unsere Aktion auszuhebeln“, meint Stadtrats-Vorsitzender Uwe Reckmann. „Aber wir werden da sein.“
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, 02.06.2011

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mz-web.de vom 24.05.2011: Stadt wehrt sich gegen Neonazis

MERSEBURG Rechte Szene hat Aufmarsch für 18. Juni angekündigt. Breites Bündnis plant friedliche Gegenaktionen.

MERSEBURG/MZ – In Merseburg formiert sich ein breites Bündnis aus Vereinen, Institutionen und Politik gegen einen geplanten Neonazi-Aufmarsch am 18. Juni. Nach Aussagen der Polizeidirektion in Halle hat die „Bürgerinitiative für Meinungsfreiheit“ die Veranstaltung mit 200 Teilnehmern angemeldet. Dahinter steht die NPD. Wie im vergangenen Jahr dient den Rechtsextremen der Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR als Vorwand für ihre Demonstration. „Diese Personen wollen nicht an die Opfer von damals erinnern. Sie glauben vielmehr, unser Schlossfest als Bühne für sich nutzen zu können“, sagt Merseburgers Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU). „Ich lasse daher gerade juristisch prüfen, ob ein Demonstrationsverbot zu unserem Stadtfest möglich ist.“ Parallel müsse man alle Möglichkeiten ausloten, wie man den Neonazis begegnen könne.

„Wir sagen Nein zu den Nazis, aber Ja zu unserer Stadt.“ Curt Stauss, Evangelischer Pfarrer

„Wir sagen Nein zu den Nazis, aber Ja zu unserer Stadt mit ihrer kulturellen Vielfalt“, meint Curt Stauss, Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Merseburg und Mitglied am Runden Tisch für Demokratie, der gegenwärtig Gegenaktionen plant. Stauss hofft auf auf eine breite Beteiligung aus der Bevölkerung, um den Neonazis die Stirn zu bieten. „Im vergangenen Jahr kamen etwa 100 Mitstreiter zum symbolischen Kehraus gegen die NPD-Demo, vielleicht werden es dieses Mal ja deutlich mehr.“ Demokratie, sagt Stauss, könne man nicht per Gesetz diktieren. „Sie muss sich im Alltag überall dort bewähren, wo Menschen gedemütigt oder beschämt werden. Merseburg muss zeigen, dass braunes Gedankengut hier keinen Platz hat.“

Unterdessen haben sich alle Fraktionen im Stadtrat bereits darauf verständigt, entlang der Demonstrationsroute Plakate anbringen zu wollen – wie beim Neonazi-Aufmarsch vor einem Jahr. Keine Angaben macht die Polizei derzeit zur vorgesehenen Route durch die Stadt. „Wir prüfen noch alle Details und eventuelle Auflagen, um einen möglichst störungsfreien Ablauf garantieren zu können“, sagt Ulrike Diener, Sprecherin der Polizeidirektion in Halle. Allerdings gilt es als wahrscheinlich, dass der Aufmarsch am Bahnhof startet und dort auch wieder endet. 13 Uhr soll die rechtsextreme Demo beginnen. „Das Ende ist noch offen“, berichtet Diener. Anmeldungen für Gegenaktionen lagen der Polizei bis gestern nicht vor.

SPD-Stadtrat Steffen Eichner sorgt sich um das Image der Stadt. „Unser Schlossfest für den Aufmarsch zu missbrauchen, ist schon ungeheuerlich. Wir wollen mit unseren Gästen eigentlich friedlich das Schlossfest feiern. Die Neonazis treten das Engagement der Vereine, die viel Kraft in die Vorbereitung investiert haben, mit Füßen.“

Deshalb setzt das Bündnis für Demokratie auf eine breite, friedliche Front gegen die Neonazis. „Wir wollen ihnen nachhaltig die Lust auf Aufmärsche in Merseburg nehmen und werden die Aktivitäten der NPD und der freien Kräfte konsequent behindern“, heißt es im Entwurf eines Aufrufs.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung

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mdr.de vom 24.05.2011: Merseburg wehrt sich gegen Neonazis

In der Stadt formiert sich ein breites Bündnis aus Vereinen, Institutionen und Politik gegen einen geplanten Neonazi – Aufmarsch am 18.Juni. Den Rechtsextremen dient laut Polizei der Arbeiteraufstand vom 17.Juni 1953 in der DDR als Vorwand für ihre Demonstration. Merseburgs Oberbürgermeister Bühligen läßt gerade juristisch prüfen, ob ein Demostrationsverbot zum Schloßfest möglich ist.

Quelle: Mitteldeutscher Rundfunk (Beitrag nicht mehr verfügbar)

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