Gründungsaufruf

Bündnis gegen Rechts Merseburg
Entschieden für Demokratie (09.01.2012)

Unser Ziel ist es, uns mit ganzer Kraft für Demokratie und ein solidarisches Miteinander zu engagieren. Widerstand gegen Neonazis in Merseburg muss sichtbarer, wirksamer und dauerhaft werden. Wir wollen in unserer Stadt den Nazis aktiv etwas entgegensetzen.
Dies geschieht aus den Erfahrungen der letzten Monate und Jahre, die uns gezeigt haben, dass Neonazis in Wort und Tat ihr krudes und menschenverachtendes Gedankengut auf die Straße und in unsere Gesellschaft tragen. Ein Neonazi sitzt sogar als Mitglied im Kreistag. Regelmäßig finden rund um den 17. Juni Demonstrationen statt, mit denen die Neonazis versuchen, den 1953 ausgesprochenen Wunsch vieler Menschen nach Freiheit und Demokratie für ihre Sache zu missbrauchen. Ungezählte Male wurde in Merseburg die Stele für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma geschändet. Neonazistische Propaganda, in Form von Aufklebern und Sprühereien, findet sich an vielen Ecken und Enden der Stadt. Sie bilden den Hintergrund für Angriffe auf nicht-rechte Jugendliche, MigrantInnen und andere Menschen, die nicht in das Weltbild der Neonazis passen.

Mit dem Bekanntwerden der Morde von Rechtsterroristen Ende 2011 wird uns erneut schmerzhaft bewusst: Rechte Gewalt hat in der Bundesrepublik und auch in unserer Region eine tödliche Dimension. Mindestens drei Menschen sind nach unabhängigen Recherchen seit 1990 auf dem Gebiet des heutigen Saalekreises Opfer rechter Gewalt mit tödlichem Ausgang geworden. Hunderte andere sind Opfer von Angriffen. Wir trauern um die Toten und sind solidarisch mit ihren Angehörigen und mit allen, die in unserer Region von Neonazis angegriffen wurden oder die täglich Angriffe befürchten müssen.

Menschenverachtendes und demokratiefeindliches Gedankengut findet sich jedoch nicht nur bei Neonazis, sondern in breiten Bevölkerungsschichten wieder. Im eigenen Alltag erleben wir gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Skepsis bis Abneigung gegenüber der Demokratie. In Behörden begegnet uns bisweilen Institutioneller Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten – diese Situation können und wollen wir nicht länger hinnehmen.

Neonazis, organisiert in Parteien, Kameradschaften und losen Zusammenschlüssen sowie antidemokratisches, ausgrenzendes und allgemein menschenfeindliches Gedankengut bedrohen die Demokratie und das friedliche Zusammenleben aller Menschen – in unserem Land und ganz konkret in Merseburg.

Unser Bündnis besteht aus Menschen, die als engagierte Einzelpersonen oder VertreterInnen von Institutionen bei uns mitarbeiten. Wir sind offen für alle Merseburgerinnen und Merseburger sowie Menschen aus dem Umland, die unser Selbstverständnis teilen. Wir arbeiten überparteilich, überkonfessionell und generationenübergreifend. Wir leben Gleichberechtigung und wollen auch all jene zur Mitarbeit ermuntern, die in unserer Gesellschaft Ausgrenzung erfahren. Grundlage unseres Handelns sind die Unantastbarkeit der Menschenwürde und die unveräußerlichen Menschenrechte, die von der Freiheit und Gleichheit des Einzelnen ausgehen.

Unser praktisches Handeln hat die Vernetzung der lokalen Akteure, eine Vielfalt aller friedlichen und gewaltfreien Aktionsformen sowie die gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung der im Bündnis vertretenen Personen und Institutionen zum Ziel.

Wir treten offensiv für eine demokratische Alltagskultur ein. Wir unterstützen Aktionen die sich hier und in der Region friedlich und gewaltfrei gegen die menschenverachtende Ideologie und Handlungen von Neonazis einsetzen. Wir solidarisieren uns mit Opfern rechter Gewalt und stärken alle diejenigen, die gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren. Wir unterstützen demokratische Jugendkulturen und alle, die in unserer Stadt und Region für Demokratie streiten.

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Den Gründungsaufruf mit Unterschriftenliste finden Sie als PDF hier. Zur Unterzeichnung des Aufrufes und zur Mitarbeit im Bündnis sind Sie herzlich eingeladen.

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Hintergrund:

Als im vergangenen Sommer erneut Neonazis durch Merseburg marschierten, beteiligten sich mehrere hundert Menschen an den Protesten. Mit friedlichen Sitzblockaden, einer Stadtratssitzung unter freiem Himmel und viel Phantasie gelang es, den Aufmarsch der Neonazis zu behindern. Am 18. Juni 2011 wurde deutlich: Gegen Neonazis hilft Ignorieren nicht weiter. Stattdessen braucht es das lebendige Engagement einer ganzen Stadtgesellschaft.

Mit der Gründung des Merseburger Bündnis gegen Rechts wollen wir – verschiedene Akteure unterschiedlicher politischer und kultureller Hintergründe aus der Stadtgesellschaft – nun das bisherige Engagement für Demokratie auf noch breitere Füße stellen und uns dauerhaft mit Neonazis auseinandersetzen.

Mit einem über mehrere Treffen hinweg erarbeiteten Gründungsaufruf wenden wir uns an alle Bürgerinnen und Bürger aus Merseburg und Umgebung. Gemeinsam wollen wir für Demokratie streiten: „Unser Ziel ist es, uns mit ganzer Kraft für Demokratie und ein solidarisches Miteinander zu engagieren. Widerstand gegen Neonazis in Merseburg muss sichtbarer, wirksamer und dauerhaft werden. Wir wollen in unserer Stadt den Nazis aktiv etwas entgegensetzen.“

UnterzeichnerInnen (alphabetisch, Stand: 05.07.2012):

1)    Alfred Georg Frei
2)    Andrea Bäuerlein
3)    Andrea Büchau
4)    Andreas Abel
5)    Andreas Rattunde
6)    Andrej Haufe
7)    Angelika Hunger
8)    Anja Bönisch
9)    Anke Faust
10)    Barbara Kaaden
11)    Barbara Striegel
12)    Bernd Seiffert
13)    Ch.Ben
14)    Christian Stech
15)    Christina Schilling
16)    Christina Zawada
17)    Christine Müller
18)    Christof Rupf
19)    Cornelia Habisch
20)    Daniel Schulz
21)    Detlef Walloch
22)    Dietrich Altmann
23)    Dirk Mälzer
24)    Dr. Gerhard Kämpfer
25)    Dr. Verena Späthe (MdL)
26)    Edda Schaaf
27)    Edda Schaaf
28)    Edda Schaaf
29)    Elena Lorenz
30)    Evelyne Götze
31)    Frank Brakopp
32)    Gerhard Meißner
33)    Gerhard Öder
34)    Gisa-Christel Bradler
35)    Grit Pannier
36)    Gudrun Woithe
37)    Halina Anton
38)    Hannelore Kraya
39)    Hans Hunger
40)    Hans-Hubert Werner
41)    Heidrun Frenkel
42)    Ingrid Hauck
43)    Initiative Alternatives Merseburg
44)    Initiativerein für Integration und Migration IVIZ e.V.
45)    Irmgard Kokott
46)    Jakob Kindler
47)    Jan Skrzypkowski
48)    Jeanette Schmitt
49)    Jens Bühlingen (Oberbürgermeister)
50)    Jens Letzel
51)    Johannes Krause
52)    Jonathan Rumpold
53)    JuLis Saalekreis
54)    Julius Späte
55)    Jürgen Umlauf
56)    Jutta Walther
57)    Karla Rumprecht
58)    Katja Albrecht
59)    Kerstin Eichhorn
60)    Maik Hildebrand
61)    Marcus Skowronck
62)    Marina Barth
63)    Mario Bialek
64)    Mario Lochmann
65)    Marion Galander
66)    Markus Skowronek
67)    Marlies Schmaedecke
68)    Martin Eberle
69)    Matthias Kreisel
70)    Matthias Melzer
71)    Matthias Rauch
72)    Michael Elzer
73)    Michael Finger
74)    Michael Hayn
75)    Natalie Wagner
76)    Nicola Hessenmiller
77)    Olga Korn
78)    Oliver Ihring
79)    Patrick Wanzek
80)    Petra Ernst
81)    Pfarrer Martin Eberle
82)    Reiner Anders
83)    Renate Meißner
84)    Roland Striegel /Stadtrat
85)    Sabine Krems
86)    Sebastian Striegel (MdL)
87)    Silke Ernst
88)    Simone Manz
89)    Sindy Bechmann
90)    Susanne Göhricke
91)    Swetlana Templing
92)    Tatjana Lorenz
93)    Thilo Koch
94)    Thomas Merk
95)    Thorsten Lind
96)    Tobias Koralus
97)    Uta Beckelmann
98)    Uwe Reckmann
99)    Vera Krotter
100)    Veronika Simmich
101)    Viera Jaculi
102)    Volker Schikowsky
103)    Werner Barth
104)    Yvonne Schwoppe

 

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