„Das ist nicht irgendeine Anfrage“

Jugendinitiative sucht eigene Räume / Oberbürgermeister sorgt für Unverständnis bei Jugendlichen und Stadträten

Die jungen Menschen der „Initiative Alternatives Merseburg“ suchen mittlerweile seit drei Jahren intensiv nach geeigneten Räumlichkeiten. Unkommerzielle Freizeitgestaltung, diskriminierungsfreier Rückzugsort und jugendkulturelle Veranstaltungsangebote sollen dort zu finden sein. Nachdem Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) dem Engagement der Initiative wiederholt mit Desinteresse begegnete, nutzte die Gruppe die Bürgerfragestunde des Stadtrates am 18. April 2013, um dem Anliegen näher zu kommen. Über die Reaktion des Stadtoberhauptes empörten sich anschließend auch Stadtratsmitglieder.

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Nach langwieriger Suche, zahlreichen Besichtigungen und Abwägungen steht für die Initiative ein Objekt zur Debatte, dass den Anforderungen zur Nutzung genauso wie der gebotenen Rücksicht auf das Umfeld Rechnung trägt. Da Stadtrat und -verwaltung der Jugendgruppe einst Unterstützung zugesichert hatten, galt der Oberbürgermeister als erster Ansprechpartner. Der hatte sich allerdings drei Monate lang wiederholten Gesprächsversuchen entzogen und blieb den Jugendlichen bis dato eine Antwort schuldig. Das brachte die Initiative Alternatives Merseburg in den Stadtrat, um den Missstand in der Bürgerfragestunde öffentlich anzusprechen.

Ratsmitglied Dr. Steffen Eichner (SPD) pflichtete der Gruppe bei, dass der Stadtrat Ihnen nach einem schwerwiegenden Neonaziüberfall im April 2010 Unterstützung bei der Suche nach Räumlichkeiten zugesichert hatte. Eichner bat OB Bühligen eindringlich um eine rasche und persönliche Bearbeitung der Anfrage. „Das ist nicht irgendeine Anfrage“, so der SPD´ler und wollte Vorschub leisten, damit die Gruppe nicht noch einmal zum Opfer werde – diesmal von Verwaltungshandeln. Auch Bernd Seifert von der CDU springt der Initiative bei und will Unterstützung für Jugendliche sicherstellen, die sich vor Ort engagieren. Dass OB Bühligen (CDU) sich in der aktuellen Sitzung auf keine Antwort einlassen wollte, war seinem Parteikollegen angesichts der verstrichenen drei Monate seit der Anfrage eindeutig zu wenig.

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Bühligen sagte eine schriftliche Antwort innerhalb einer Woche zu. Die Mitglieder der Initiative hoffen noch immer auf ein offenes Gespräch mit dem Oberbürgermeister – jetzt, wo das Anliegen konkreter wird. Als die „Initiative Alternatives Merseburg“ 2011 den Impuls gab, ein breites Protest-Bündnis gegen den damaligen Neonaziaufmarsch im Juni zu initiieren, unterschrieb auch OB Bühligen den Aufruf sowie den daraus erwachsenen Gründungsaufruf des heutigen Bündnisses gegen Rechts in Merseburg. Der Anschein, das Engagement der Jugendlichen werde nun nicht mehr geschätzt, ist für viele Beteiligte enttäuschend.
Die Initiative Alternatives Merseburg hofft, „dass die Stadt das geeignete Gebäude zu den von ihr vorgeschlagenen Bedingungen vermietet, damit ein Ort für alternative Stadtkultur entstehen kann. Wir bitten die Stadträte zu ihrer angebotenen Hilfe zu stehen und gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem Oberbürgermeister jetzt für einen positiven Abschluss der Objektsuche zu sorgen“, so die Jugendgruppe.

Hintergrund: Nachdem 2008 der ehemalige alternative Studentenclub „Zum fröhlichen Wecker e.V.“ auf dem Campus seine Pforten schloss mangelte es an attraktiven Anlaufpunkten in der Stadt. Ein Angriff von Neonazis auf Mitglieder der heutigen „Initiative Alternatives Merseburg“ im April 2010 war Anlass dem Anliegen nach angst- und diskriminierungsfreien Räumen zur eigenen Gestaltung und Selbstverwirklichung verstärkt nachzugehen. Trotz der zugesicherten Unterstützung kommunaler Verantwortungsträger blieben die Bemühungen bis heute nach einigen Abwägungen und Unwägbarkeiten noch immer ohne Ergebnis.

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